Praxis für Psychosomatik und ärztliche Psychotherapie

Depressive Störungen


Während die Depression in der Psychiatrie lange Zeit als schicksalshaft hinzunehmende Seelenverfinsterung verstanden wurden, verursacht durch hypothetische endogene (d.h. in einer gestörten Hirnfunktion begründete) Faktoren, fragten Psychoanalyse und moderne Fachpsychotherapie von Anfang an nach den seelischen Verarbeitungsmechanismen konkreter deprimierender Erfahrungen. Inzwischen hat eine Annäherung zwischen beiden Positionen stattgefunden: So musste einerseits die sog. endogen verursachte Depression als diagnostische Kategorie aufgegeben werden, andererseits bestreiten Psychotherapeuten nicht länger die Notwendigkeit eines unterstützenden Einsatzes von antidepressiven Medikamenten während bestimmter Erkrankungsphasen.

Nach meinem Therapieverständnis spielen bei jeder depressiven Störung Fragen der seelischen Verarbeitung von deprimierend erlebten Erfahrungen eine zentrale Rolle. Erst die Aufarbeitung eines gefühlshaft empfundenen Wiedererlebens belastender und nicht verarbeiteter früherer Beziehungserfahrungen ermöglicht ein Verständnis dafür, weshalb aktuelle Belastungen, die andere Menschen verkraften können, bei bestimmten Personen zu tiefen Irritationen des Gefühlslebens führen können. Oft stellen sich einstmals überlebensnotwendige Anpassungsstrategien etwa an familiäre Konfliktspannungen in der Kindheit, die unbewusst beibehalten wurden, als entscheidende Einschränkungen des Erlebens und Hindernisse auf dem Weg zu Befriedigung und Lebensglück heraus. Es genügt jedoch – so wichtig auch das rationale Verstehen sein mag – nicht, diesen Zusammenhang auf Verstandesebene zu klären; neues Vertrauen etwa muss gewagt, erlebt und durchlitten werden.

Während antidepressive Medikamente nur die Reaktionsbereitschaft auf erneute emotionale Belastungen etwas lindern können, ist durch eine Psychotherapie eine Umprägung krankmachender verinnerlichter Erwartungen an andere, von unbewußt gehegten Befürchtungen, von vorab festgelegten Einstellungen und Glaubenssätzen möglich. Gerade eine psychodynamische Psychotherapie bleibt nicht bei der Bearbeitung aktuell deprimierender Erfahrungen stehen, sondern entfaltet ihre nachhaltige Wirkung erst in der Verknüpfung mit einer biografischen Tiefendimension und Aufarbeitung aktualisierter Vergangenheitserfahrungen. Psychotherapie ist dann eine seelisch erneuernde Erfahrung, die das Muster krankmachender, aber realer Vergangenheitserfahrungen und die daraus resultierende Phantasiewelt von Befürchtungen und Mißtrauen verändern kann. Dies setzt die Fähigkeit voraus, sich selbst zum Gegenstand der Beobachtung zu nehmen, was in akuten und schweren Phasen einer depressiven Störung in der Regel nicht möglich ist. Daher ist hier auch der Einsatz von antidepressiven Medikamenten zwingend. Auch ist der Gegenstand der Beobachtung weniger das konkrete Reagieren auf eine aktuelle Belastungssituation, als das hierin zum Ausdruck gebrachte Gewohnheitsmäßige der eigenen Reaktionsmuster gerichtet, besonders im Umgang mit unerwünschten, häufig geradezu verpönten Gefühlen wie Ärger, Enttäuschung, Neid, Wut und Zorn. Ausgeprägte Selbstunwertgefühle als Folge der Hilflosigkeit angesichts der nicht gewollten, aber immer wieder sich ereignenden Konfliktspannungen werden sich auflösen, sobald im Kontakt mit anderen Menschen befriedigendere Beziehungserfahrungen möglich werden. Die wachsende Fähigkeit, anderen Menschen vorurteilsfreier und angstfreier zu begegnen, befreit vom Zwang, den Anderen permanent ändern zu müssen und letztlich doch immer wieder in verstrickten Beziehungen stecken zu bleiben.

Psychotherapiepraxis
Dr. Thomas Simmich

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